ROCKEFELLERS PICASSO AUF REKORDKURS

yolanda May 1, 2018 0
ROCKEFELLERS PICASSO AUF REKORDKURS

Er war der erste und reichste Öl-Tycoon der Welt: John D. Rockefeller (1839-1937). 1870 gründete er Standard Oil, das zehn Jahre später 90 Prozent der Erdöl-Raffinerien und Pipelines in den USA besass. Einen Teil seines unermesslichen Vermögens investierte Rockefeller auch in Institutionen im Bereich Erziehung, Religion und Wissenschaft. Nach seinem Tod setzten seine Töchter und sein Sohn John Jr. die philanthropische Familientradition der Rockefellers fort. Im 20. Jahrhundert war es insbesondere David Rockefeller (1915-2017), Enkelsohn des Patriarchen, der zusammen mit seiner Frau Peggy (geb. 1947) in den Erwerb von Kunstwerken, Möbeln und Schmuck investierte.

Ein Jahr nach dem Tod von David Rockefeller kommt sein Nachlass unter den Hammer. Vom 7. bis 11. Mai 2018 wird Christie’s im Rockefeller Center in New York die als Auktion des Jahrhunderts bezeichnete Versteigerung durchführen. Die private Sammlung umfasst impressionistische und postimpressionistische Kunstwerke, amerikanische Gemälde, europäische Möbelstücke, asiatische Kunstwerke, europäische Keramik, chinesisches Exportporzellan, Silberwaren sowie amerikanische Möbel und dekorative Kunst.


(Oben) Ein Wohnzimmer im Anwesen der Rockefellers, in welchem das Gemälde von Picasso hing. Die Inneneinrichtung wurde an das Bild angepasst (u. a. mit den Vorhängen, der Wand und den Sesseln).
(Rechts) Peggy und David Rockefeller bei ihrer Hochzeit im Jahr 1940.

 

ROCKEFELLERS PICASSO AUF REKORDKURS

Das Highlight der bevorstehenden Auktion stellen die impressionistischen Gemälde der Rockefeller-Sammlung dar, insbesondere Pablo Picassos «Fillette à la corbeille fleurie». Es entstand vor der kubistischen Phase des spanischen Malers. Das Gemälde, das auf der Rückseite mit «Picasso 1905 13 Rue Ravignan» beschriftet ist, wurde 1905 von Gertrude und Leo Stein in Paris erworben. Gertrude Stein (1874-1946) war eine US-Schriftstellerin und Kunstsammlerin, die 1903 nach Paris zog und regelmässig Künstler und Schriftsteller wie Pablo Picasso, Henri Matisse, Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald in ihrem Salon empfing. Ihr Bruder Leo Stein (1872-1947) war Kunstkritiker und -sammler.

Für das fast lebensgrosse Gemälde (154.8 x 66.1 cm) stand ein Blumenmädchen aus dem Pariser Quartier Montmartre Modell. «Picasso hat das Mädchen statisch gemalt, zumal er zu jener Zeit stark von der ägyptischen Kunst beeinflusst war», sagte Kunstexperte Hans-Peter Keller beim Presseevent von Christie’s in Zürich. «Obwohl es sich um ein Mädchen handelt, fällt das gealterte Gesicht auf. Damit wollte Picasso die Armut, in der Blumenmädchen damals lebten, aufzeigen. Allein mit dem Verkauf von Blumen konnten sie sich nicht über Wasser halten.» Beim Rahmen handelt es sich um den originalen Renaissance-Rahmen, der Picasso 1906 für das Geschwisterpaar Stein auswählte. Es war das zweite Gemälde, das sie von Picasso erwarben.

Gertrude Stein führte in Paris eine Beziehung mit Alice B. Toklas, die eines Tages beim Geschwisterpaar einzog. Leo wollte jedoch kein Ménage-à-trois und hatte eine Abneigung gegen Toklas. Er nannte sie «einen abnormalen Vampir». 1913 trennten sich Gertrud und Leo Stein und lösten ihre Kunstsammlung auf. Gertrude behielt alle Picasso-Werke, Leo alle Cézanne- und Matisse-Gemälde. Nach dem Tod von Gertrude Stein im Jahr 1946 erhielt Alice ein lebenslanges Nutzungsrecht der Gemälde. Ein Jahr nach Alices Tod erwarb David Rockefeller 1968 mit fünf weiteren Kunstsammlern, die alle je eine Million US-Dollar in einen Fonds einbezahlt hatten, die ganze Kunstsammlung von Gertrude Stein. Ein Teil der Sammlung wurde dem MoMA in New York geschenkt und ein Teil unter den sechs Investoren aufgeteilt. Die Auswahl erfolgte per Los. David Rockefeller hatte das Glück, als Erster an der Reihe zu sein und wählte für seine Privatsammlung das Gemälde «Fillette à la corbeille fleurie» von Picasso. Es gilt als Highlight der kurz bevorstehenden Christie’s-Auktion in New York. Experten rechnen mit einem Rekordpreis.

 


(Oben) Peggy und David Rockefeller im Jahr 1973.

 

HIGHLIGHTS DER ROCKEFELLER-AUKTION 2018

Der Erlös wird einem Dutzend philanthropischer US-Institutionen zugutekommen, die Peggy und David Rockefeller schon zu Lebzeiten unterstützt haben. Gemäss ersten Schätzungen soll die Auktion 500 Millionen US-Dollar einbringen. Nebst dem obenerwähnten Picasso-Gemälde stehen auch folgende Werke hoch im Kurs: «Odalisque couchée aux magnolias» von Henri Matisse, 1923; «La Vague» von Paul Gauguin, 1888; «Tigre jouant avec une tortue» von Eugène Delacroix, 1862; «Extérieur de la gare Saint-Lazare, effet de soleil» von Claude Monet, 1877; «Pomme» von Pablo Picasso, 1914.

 

ABLAUF DER AUKTION

Die Sammlung von Peggy und David Rockefeller umfasst rund 1550 Stücke. Christie’s wird vom 8. bis 10. Mai 2018 900 Stücke in Live-Auktionen im Rockefeller Center in New York anbieten. 650 Stücke mit einem Schätzwert zwischen 100 und 10’000 US-Dollar werden über Online-Auktionen gehandelt. Der Schmuck der Sammlung (Van Cleef & Arpels, Jean Schlumberger für Tiffany & Co., Raymond Yard) wird am 12. Juni 2018 in New York unter den Hammer kommen.

 

VIDEO: DIE FÜNF LUXUS-ANWESEN VON PEGGY UND DAVID ROCKEFELLER

VIDEO: DIE KUNSTSAMMLUNG DER ROCKEFELLERS

VIDEO: BIOGRAFIE GERTRUDE STEIN

Weitere Infos zur Auktion des Jahrhunderts

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